Geschlechterrollen - was erwarten Sie vom starken, bzw. schwachen Geschlecht?

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"We've begun to raise daughters more like sons...but few have the courage to raise our sons more like our daughters." 

- Gloria Steinem

 

"Girls can be athletic. Guys can have feelings. Girls can be smart. Guys can be creative. And vice versa. Gender is specific only to your reproductive organs (and sometimes not even those), not your interest, likes, dislikes, goals and ambitions. 

- Connor Franta

 

Ob man jetzt den Herrschaften hinter den Zitaten Recht gibt oder nicht, wie wir mit Geschlechterrollen umgehen ist und bleibt ein ‚heißes‘ und wichtiges Thema, gerade in Zeiten der #METOO Bewegung.

 

Was prägt die Geschlechterrollen in Ihrer Kultur?

Sind die Vorstellungen in Ihrer Kultur von geschlechtsspezifischen Verhalten eher traditionell geprägt?

Hier  unterscheidet sich deutlich, was unter typisch maskulines Verhalten und von typisch femininem Verhalten erwartet wird. Oder sind Überlappungen zwischen geschlechtsspezifischen Verhaltensmustern erlaubt?

 

Diesen Fragen widmet sich dieser Artikel, in dem es nicht nur um das Verständnis von Geschlechterrollen, sondern auch dem Einfluss dieses Verständnisses auf die Arbeitswelt geht.

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Es geht um die Hofstede’sche kulturelle Dimension Maskulinität vs. Femininität, oder auch Bestimmtheit vs. Zurückhaltung. Damit wären wir auch schon bei dem Hauptkritikpunkt dieser Dimension angekommen: nämlich dass Bestimmtheit und Maskulinität und Zurückhaltung und Femininität sozusagen gleichgesetzt werden. Kritiker dieser Dimension bemängeln, dass Hofstede hier zu stark von einem westlich geprägten Geschlechterbild ausgeht. Ich persönlich wende diese Dimension weniger an als, zum Beispiel, Individualismus oder Machtdistanz.

 

Was meinen Sie? Ich hoffe dieser Artikel gibt Ihnen die Grundlagen, um sich Ihr eigenes Bild zu machen.

 

Grundlegend geht es bei dieser Dimension um die zwei Pole Maskulinität und Femininität, und wie diese in der Gesellschaft gelebt werden. Hofstede postuliert, dass Kulturen mit hoher Maskulinität ausgeprägte Unterschiede in den Geschlechterrollen leben und Erwartungen an die zwei Geschlechter haben, die traditionell orientierten Geschlechterrollen entsprechen:

 

Maskulines Verhalten wird unter anderem mit Bestimmtheit, Durchsetzungsvermögen, Anerkennung und Weiterentwicklung verbunden, und feminines Verhalten eher mit Zurückhaltung, Bescheidenheit, Beziehungsorientierung und Kooperation. 

Kulturen mit diesen Geschlechterrollen sind unter anderem davon geprägt,  

  • dass Verdienste und Herausforderungen wichtig sind.

  • dass Väter sich in der Familie mit Fakten befassen und Mütter mit Emotionen.

  • dass die Vorstellungen von weiblicher Schönheit maßgeblich durch die Medien vorgegeben werden.

  • dass Mädchen weinen dürfen, Jungen aber nicht.

  • dass Jungen streiten dürfen, Mädchen aber nicht. 

  • dass Väter den Familienunterhalt verdienen, und Mütter die Kinder versorgen. 

In der Arbeitswelt zeichnet sich dieses Verständnis von Geschlechterrollen dadurch aus,

  • dass von Führungskräften erwartet wird, entscheidungsfreudig und tendenziell aggressiv zu handeln.

  • dass Konflikte gelöst werden, indem der Stärkere gewinnt.

  • dass Karriereentwicklung zwingend wichtig ist für Männer, und optional für Frauen.

  • dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ein großes Problem ist. 

In Gesellschaften, die eher durch Femininität geprägt sind, sagt Hofstede, dass die traditionelle Trennung der Geschlechterrollen aufgelöst ist, sodass gerade im emotionalen Bereich Überlappungen stattfinden, und von Männern wie Frauen erwartet wird, sich zurückhaltend und bescheiden zeigen zu können, sowie sich mit Themen wie Lebensqualität zu beschäftigen.

 

Ebensolche Kulturen sind geprägt von

  • einen gesellschaftlichen Fokus auf Beziehungen und Lebensqualität.
  • der Erwartung, dass beide Geschlechter bescheiden sind.
  • Familien, in denen sich Mütter und Väter gleichmäßig mit Fakten und Emotionen beschäftigen.
  • dem maßgebenden Einfluss der Eltern auf die Schönheitsideale ihrer Töchter.
  • dem Ausgangspunkt, dass Mädchen und Jungen sich gleich verhalten dürfen,und auch wegen den gleichen Gründen spielen, aber nicht streiten sollen.

In der Arbeitswelt zeigt sich hohe Femininität durch

  • einen kooperativen und intuitiven Führungsstil.
  • Konfliktlösung durch Verhandlung und Konsensfindung.
  • die Vorstellung, dass man arbeitet, um zu leben.
  • Karriereentwicklung, die optional von beiden Geschlechtern nach Wahl verfolgt werden kann.

 

Stellen Sie sich vor, Sie gehen als US Amerikaner in ein Interview für eine Managerstelle in einer nord-europäischen Firma. Was denken Sie werden die größten Konfliktpunkte sein zwischen Ihrer kulturellen Prägung und den hiesigen kulturellen Erwartungen an Manager?

 

Und um den Kulturbegriff aus dem Ländervergleich in die Firmenwelt zu transportieren, welche Kultur finden Sie in Ihrer Arbeitswelt wieder? Ist es die gleiche wie die Länderkultur in dem Land, in dem Sie arbeiten? Und damit wären wir bei der Frage, was die #METOO Kampagne hiermit zu tun haben könnte. In einigen Branchen kann die Ausprägung des geschlechtsspezifischen Verhaltens, gepaart mit Macht, Muster zeigen, die für diese Branche kulturspezifisch sind.

 

Ich zum Beispiel komme aus Österreich. Laut Hofstedes Ergebnissen ein Land mit sehr hoch ausgeprägter Maskulinität. Vielleicht hat dass ja auch geholfen, als ich in einer stark maskulin geprägten Luftfahrtbranche geführt habe, auch wenn ich mich nicht an die feminine Geschlechterrolle gehalten habe. 😊

 

Was mich wieder zu dem Fakt bring, dass Menschen viel zu vielseitig sind, um in eine ‚Schublade‘ zu passen, aber vielleicht hilft uns das Wissen um die Vielseitigkeit und die Einflüsse darauf, besser interkulturell miteinander umgehen zu können.

 

In dem Sinne, wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Ergründen Ihres kulturellen Puzzles und ‚happy intercultural teamworking‘! Vielen Dank, dass Sie meiner Serie gefolgt sind, und Danke für Ihr Interesse. Bis zum nächsten Mal!

 

 

Unter den Links finden Sie die vorhergehenden Artikel zu Genuss, Individualismus und Kollektivismus, Unsicherheitsvermeidung, Machtdistanz, Hofstede, kulturelle Missverständnissen

 

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