Alle Tiere sind gleich. Oder doch nicht?

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„Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen.“

 

Vielleicht kennen Sie das Zitat aus Animal Farm von George Orwell noch aus Ihrer Schulzeit. Ähnlich wie in der Fabel, gehen Kulturen unterschiedlich mit Unterschiedlichkeiten, Ungerechtigkeit und Macht um.  

 

Da stellen sich Fragen wie:

  • Wie leicht fällt es Menschen, die hohen Status in einer Gesellschaft haben, mehr Macht zu bekommen?
  • Legitimiert Reichtum automatisch hohen Status?
  • Kann ein erfolgreicher Geschäftsmensch durch die Ausübung eines politischen Amtes an Status gewinnen?

Im Kern geht es hier um die Frage, wie geht eine Kultur, eine Gesellschaft mit Macht um.

 

Deswegen wird diese kulturelle Dimension von Hofstede auch der Machtindex genannt. In der Arbeitswelt, zum Beispiel, spiegeln sich unterschiedliche Umgangsformen mit Macht ganz besonders im Umgang mit Hierarchien und dem Führungsstil wieder.  Aber auch im gängigen Erziehungsstil, dem Schulsystem, dem Gesundheitssystem und der Staatsorganisation einer Kultur lassen sich Anzeichen für die Machtverteilung in der Gesellschaft erkennen.

 

Typische Anzeichen für eine Kultur mit hoher Machtdistanz:

·         Eltern erwarten Gehorsam von ihren Kindern.

·         Lehrbeauftragte geben, gleich einem Guru, ihr persönliches Wissen an Schüler weiter.

·         Patienten ordnen sich dem Arzt unter und behandeln diesen wie eine höhergestellte Person.

·         Wer an der Macht ist, hat auch Recht.

 

In Kulturen mit niedriger Machtdistanz, auch egalitären Gesellschaften genannt, findet man eher:

·         Eltern und Lehrer, die Kindern auf Augenhöhe begegnen.

·         Lehrer, die erwarten, dass Schüler Initiative im Unterricht zeigen.

·         Ärzte und Patienten, die sich auf Augenhöhe begegnen.

·         Dass Talent, Macht, Reichtum und Status nicht unmittelbar zusammenhängen.

 

In der Arbeitswelt wiederum spiegelt sich Machtdistanz vor allem in Verhalten der Führungskräfte und deren Unterstellten wieder.

 

Typische Merkmale einer Firmenkultur mit hoher Machtdistanz sind:

·         Zentralisierte Organisationen.

·         Autoritärer Führungsstil.

·         Dass Widerspruch der Mitarbeiter dem Vorgesetztem gegenüber nicht geduldet wird.

·         Formale Regelungen.

·         Der ideale Chef entspricht dem Bild des großherzigen Autokraten.

 

Andererseits, In egalitären Firmenkulturen findet man eher:

·         Dezentralisierte Strukturen.

·         Führungskräfte, die auf Augenhöhe mit ihren Mitarbeitern agieren. 

·         Führungskräfte, die sich auf ihre Erfahrung und die der Mitarbeiter verlassen.

 

·         Teams, die Einbeziehung in den Entscheidungsprozess einfordern.

 

In jedem Fall könnten diese Listen um einiges erweitert werden. Vielleicht erkennen Sie hier auch schon einige Unterschiede oder Ähnlichkeiten zu Ihrer Kultur? Vielleicht fragen Sie sich, so wie ich, ob es möglich ist, dass Machtdistanz in unterschiedlichen Bereichen unterschiedliche ausgeprägt ist?

 

Das ist definitiv so. Genau so wenig, wie jede Situation vergleichbar sind, und jeder Mensch unterschiedlich ist, so ist es auch die Ausprägung und die Handhabung von Machtdistanz. Zum Beispiel wird die Handhabung von Hierarchie in IT Start-ups ganz anders gehandhabt als vielleicht in einer Bank. 

 

Wichtig ist es, nicht aus den Augen zu verlieren, dass die Resultate aus dem Hostede’schen System einen groben Rahmen bieten, der Verständnis fördert, aber dass in jede Situation so viele zusätzliche Faktoren Einfluss nehmen - wie individuelle Persönlichkeiten, finanzielle Bedingungen, Marktsituationen, Firmenkultur- dass Resultate aus Hofstedes Listen nie komplett eine Situation erklären können.

 

Vielleicht können sie aber helfen, missverständliche Situationen zu erklären. Nach meiner Erfahrung sind sie sehr wertvoll in dem Schaffen von Bewusstsein, was den Kollegen, Geschäftspartner, Chef, etc… kulturell vielleicht mitgegeben wurde, bzw. antreiben könnte. Dass zum Beispiel Frankreich eine wesentlich höher ausgeprägte Machtdistanz hat als Deutschland, aber beide Staaten investiert in Unsicherheitsvermeidung sind.

 

Aber zu dem zweiten Thema mehr im nächsten Artikel! Danke und bis zum nächsten Mal! 

 

In den folgenden Links finden Sie die vorhergehenden Artikel dieser Serie zu den Themen kulturelle Missverständnisse und kulturelle Programmierung

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